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Die Geschichte des Hauses "Barnstorf Bahnhofstr. 16"


Das Haus Barnstorf Bahnhofstr. 16 firmiert heute als „Welthaus Barnstorf“, es war von Anfang an ein Stück „Tor zur Welt“ und „gute Stube“ für Barnstorf. Um 1900 wurde es als Hotel Köhler eröffnet und beherbergte die „Fremden“, die in den Flec­ken kamen, um Handel zu treiben, zu verkaufen und zu kaufen. Auch für die eng­lischen Soldaten bot das Haus nach 1945 eine erste Bleibe. Bis in die 70er Jahre war das Haus Altenheim des DRK und damit wieder die „gute Stube“. Vor 25 (3.4.81) Jahren kaufte dann eine Handvoll junger Leute das mittlerweile heruntergekommene Haus, mit dem Ziel, „einiges in Bewegung zu setzen“. Einigen Barnstorfern war die Sache zu Anfang denn doch suspekt. Sie haben das große Schild „Das Haus wird in­stand gesetzt“ als „besetzt“ gelesen, klang es doch etwas nach Hausbesetzerszene in Berlin. Und der damalige Nachbar Willi Gerding von der RWG fragte denn Regina Bömer, ob sie denn die Pflaumen klaute, die sie gerade pflückte. „Nein meinte sie, sie habe die Pflaumen gekauft und das Haus gleich dazu.“  Auch sonst machten sich viele im Ort  Gedanken, woher denn wohl das Geld für das Projekt käme. „Aus Mos­kau“, so mutmaßten einige zu Anfang und schickten mehr als einmal den Verfas­sungsschutz zur Kontrolle. Doch daran solch undogmatische, christlich-pazifistische und kreative Geister  zu finanzieren, hatte weder Moskau noch Rom ein Interesse. Als Waltraud Schoppe aus der ersten GRÜNEN-Fraktion im Bundestag ihr Regional­büro im Hause eröffnete, war für viele die  Zuordnung klar. Doch das Haus hat sich nicht an eine Partei binden lassen und ist seiner Geschichte als Haus für Initiativen und NROs (Nicht-Regierungsorganisationen) treu geblieben, wenngleich es seine Arbeit sehr professionalisieren konnte.

Einiges an Bewegung passierte im Haus und aus dem Haus heraus. Aktivitäten wie die Friedensinitiative und ihr Versuch der Entmilitarisierung,  die Anti-AKW-Arbeit in der Region, die Umweltarbeit des Recycling-Centrums, der Anspruch, anders zu pro­duzieren und zu wirtschaften wie Weltladen oder Bioläden sind eng mit der Ge­schichte des Hauses verbunden. Denn zum Projekt gehören nicht nur das Wohn- und Geschäftshaus direkt an der Bahnhofstraße, sondern auch die dahinter liegen­den ehemaligen Wirtschaftsgebäude u.a. mit dem „Tagungshaus Eine-Welt-Werk­statt“ das bundesweit einen Namen hat. Viele Initiativen wie „PRO Asyl im Landkreis Diepholz“, der „Kinder- und Jugendzirkus Barbarella“, die Kindertagesstätte die „Klei­nen Strolche“ und ihr Träger, der „Verein zur Förderung ganzheitlicher Bildung“ ha­ben hier ihren Sitz. Besondere Bedeutung für die örtlichen Initiativen aber auch die im ganzen Lande hat der VNB als anerkannte Landeseinrichtung der Erwachsenen­bildung. Seine Geschäftsstelle für das westliche Niedersachsen sitzt in der Bahn­hofstr. 16. Unter der Leitung von Reinhold Bömer und seiner Kollegin Anke Egblo­massé hat sich das Haus zu einer Ideenschmiede  für Bildungsarbeit von Initiativen entwickelt. Der VNB berät, finanziert  und probiert mit seinen Partnern viele Ideen aus... mittlerweile europaweit. Gut dreißig Menschen arbeiten für den VNB und das Welthaus, wovon gut 20 fest in Barnstorf sind; andere Projekte arbeiten virtuell und die Partner sitzen in Barcelona, Senegal, Ghana oder Brasilien.  Ehrenamtliche Ar­beit, Auszubildene und PraktikantInnen bringen immer wieder Verstärkung und sor­gen dafür, dass das Haus kein Eingenerationenprojekt bleibt.

Einige Projektergebnisse befahren auch die Barnstorfer Straßen, so die Ausstel­lungstrucks, von denen das Team des VNB schon ein halbes Dutzend erdacht und auf die Räder gestellt hat. (www.nordwest-vnb.de) „Stetiges Wachstum kennzeichnet das Haus, doch wir wachsen nicht um jeden Preis“, so Reinhold Bö­mer. Wir wollen primär Anstöße geben. Manche Dinge können dann andere bes­ser umsetzen, andere Programmpunkte wurden sogar Regierungspolitik, so die Ab­rüstung und die Abschaltung der AKWs.

Nicht ganz so einfach sind bei den aktuellen Schwerpunkten messbare Erfolge zu er­zielen, so bei der Frage einer gerechteren und nachhaltigeren Globalisierung. Aktuell ist auch nach wie vor das Thema Migration und der Dialog mit den Muslimen. Doch trotz dieser aktuellen Schwerpunktsetzung ist das Haus offen für Kooperationen, von der evangelischen Gemeinde St. Veit bis zu Missio von der katholischen Bischofs­konferenz, vom Barnstorfer Familienbündnis bis zum Bündnis gegen Rechts, von der Barnstorfer Schule bis zum Kultusministerium in Hannover, von Berliner und Bonner Ministerien bis zur EU-Verwaltung in Brüssel.

(Artikel für Serie „Geschichte Barnstorfer Häuser“ des Diepholzer Kreisblattes)

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